Wenn Probleme lange unsichtbar bleiben
Produktionsanlagen müssen heute zuverlässig funktionieren. Ungeplante Stillstände verursachen nicht nur Kosten, sondern können auch Liefertermine gefährden und ganze Produktionsabläufe beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, bevor daraus größere Probleme entstehen. Die Herausforderung dabei ist, dass viele Fehler lange Zeit verborgen bleiben. Von außen wirkt eine Anlage oft vollkommen unauffällig, obwohl sich im Inneren bereits erste Probleme entwickeln. Lockere Verbindungen, überlastete Bauteile oder verschlissene Kontakte erzeugen Wärme, die mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Genau hier setzt die Elektrothermografie an. Mit modernen Wärmebildkameras lassen sich Temperaturunterschiede sichtbar machen und Auffälligkeiten erkennen, bevor es zu Störungen oder Ausfällen kommt. Die Methode hat sich deshalb zu einem wichtigen Bestandteil der vorbeugenden Instandhaltung entwickelt.
Warum Wärme ein wichtiger Hinweis auf Probleme ist
Elektrische Anlagen erzeugen während des Betriebs grundsätzlich Wärme. Das ist völlig normal. Kritisch wird es jedoch, wenn einzelne Komponenten deutlich höhere Temperaturen aufweisen als vergleichbare Bauteile. Die Ursache liegt häufig in einem erhöhten elektrischen Widerstand. Dieser kann beispielsweise durch lockere Klemmen, verschlissene Kontakte, Korrosion oder Überlastungen entstehen. An diesen Stellen wird mehr Energie in Wärme umgewandelt. Die Temperatur steigt an und entwickelt sich oft zu einem der ersten Warnsignale für einen möglichen Defekt. Gleichzeitig kann dadurch auch eine erhöhte Brandgefahr entstehen, wenn die Wärmeentwicklung über längere Zeit unbemerkt bleibt oder sich weiter verstärkt. Besonders problematisch ist dabei, dass solche Veränderungen meist schleichend auftreten. Die Anlage funktioniert zunächst weiterhin ohne erkennbare Einschränkungen. Erst wenn die Belastung zunimmt oder sich der Zustand weiter verschlechtert, kommt es zu Fehlermeldungen, Störungen oder sogar zum Ausfall einzelner Komponenten. Mit einer thermografischen Untersuchung lassen sich solche Entwicklungen bereits in einem frühen Stadium erkennen.

Was passiert bei einer Elektrothermografie?
Bei der Elektrothermografie werden elektrische Anlagen mit einer speziellen Wärmebildkamera untersucht. Die Kamera erfasst die Oberflächentemperaturen von Bauteilen und stellt diese als farbige Wärmebilder dar. Dadurch werden Temperaturunterschiede sichtbar, die mit bloßem Auge nicht erkannt werden können. Je nach Anlage werden dabei beispielsweise folgende Bereiche im Schaltschrank überprüft:
- Sicherungen
- Leistungsschalter
- Schütze
- Stromschienen
- Klemmen und Verbindungen
- Frequenzumrichter
- Netzteile
- Antriebe
- elektrische Anschlüsse
Ein großer Vorteil besteht darin, dass viele Messungen während des laufenden Betriebs durchgeführt werden können. Dadurch lassen sich reale Betriebsbedingungen bewerten und tatsächliche Belastungen erfassen. Die Untersuchung liefert somit ein sehr realistisches Bild des aktuellen Anlagenzustands. Die Thermografie ersetzt dabei keine vollständige elektrische Prüfung, liefert aber wichtige Hinweise auf thermische Auffälligkeiten und mögliche Schwachstellen.
Warum Thermografie besonders im Schaltschrank sinnvoll ist
Gerade im Schaltschrank befinden sich zahlreiche elektrische Komponenten auf engem Raum. Hier laufen Steuerungs- und Energieverteilungen zusammen. Gleichzeitig wirken unterschiedliche Belastungen auf die verbauten Bauteile. Bereits kleine Kontaktprobleme können in diesem Bereich zu erhöhten Temperaturen führen. Da viele Verbindungen im Alltag nicht sichtbar sind, bleiben solche Auffälligkeiten häufig lange unbemerkt. Mit Hilfe der Elektrothermografie können kritische Stellen frühzeitig erkannt werden. Die Wärmebilder zeigen sofort, wenn einzelne Komponenten deutlich wärmer arbeiten als vergleichbare Bauteile in der Umgebung. Dadurch lassen sich mögliche Schwachstellen identifizieren, bevor daraus größere Schäden entstehen.
Warum viele Fehler zunächst unbemerkt bleiben
In der Praxis entwickeln sich technische Probleme häufig über einen längeren Zeitraum. Eine Schraubverbindung kann sich beispielsweise durch Vibrationen langsam lockern. Dadurch erhöht sich der Übergangswiderstand und die betroffene Stelle erwärmt sich zunehmend. Anfangs sind die Auswirkungen kaum bemerkbar. Die Anlage arbeitet weiterhin zuverlässig und die Produktion läuft ohne Einschränkungen. Mit der Zeit steigt die Temperatur jedoch immer weiter an. Irgendwann treten erste Fehlermeldungen auf. Im weiteren Verlauf können Bauteile beschädigt werden oder die Anlage bleibt unerwartet stehen. Ohne eine thermografische Untersuchung bleibt diese Entwicklung oft lange unentdeckt. Die Elektrothermografie macht solche Veränderungen sichtbar und ermöglicht ein rechtzeitiges Eingreifen.
Typische Auffälligkeiten bei einer Thermografie
Bei thermografischen Untersuchungen zeigen sich immer wieder ähnliche Fehlerbilder. Häufig werden festgestellt:
- lockere Schraubverbindungen
- überlastete Leitungen
- ungleichmäßige Lastverteilungen
- beschädigte Kontakte
- fehlerhafte Klemmstellen
- überhitzte Sicherungen
- verschlissene Schaltgeräte
- thermische Belastungen an Stromschienen
- erhöhte Temperaturen an Motoranschlüssen
Oft genügt bereits eine vergleichsweise kleine Maßnahme, um größere Schäden zu verhindern. Das Nachziehen einer Verbindung oder der Austausch eines verschlissenen Bauteils kann ausreichen, um die Betriebssicherheit wiederherzustellen.
Ein Praxisbeispiel aus dem Anlagenbetrieb
Ein Produktionsbetrieb meldet gelegentliche Störungen an einer Anlage. Die Unterbrechungen treten unregelmäßig auf und lassen sich zunächst keiner konkreten Ursache zuordnen. Die Anlage läuft die meiste Zeit problemlos. Weder bei Sichtkontrollen noch bei den üblichen Funktionsprüfungen können Auffälligkeiten festgestellt werden. Im Rahmen einer thermografischen Untersuchung zeigt sich jedoch eine deutlich erhöhte Temperatur an einer Anschlussklemme im Schaltschrank. Im Vergleich zu den benachbarten Verbindungen fällt die Temperatur deutlich höher aus. Bei der anschließenden Überprüfung wird festgestellt, dass die Verbindung nicht mehr optimal sitzt. Durch den erhöhten Übergangswiderstand entsteht zusätzliche Wärme. Nach der Instandsetzung verschwindet die Auffälligkeit und die Anlage arbeitet wieder störungsfrei. Dieses Beispiel zeigt, wie die Elektrothermografie Probleme sichtbar machen kann, die bei einer normalen Sichtprüfung verborgen bleiben würden.
Elektrothermografie als Teil der vorbeugenden Instandhaltung
Moderne Instandhaltung bedeutet heute weit mehr als die Reparatur defekter Anlagen. Ziel ist es, Probleme möglichst früh zu erkennen und ungeplante Stillstände zu vermeiden. Die Elektrothermografie liefert hierfür wertvolle Informationen über den tatsächlichen Zustand elektrischer Anlagen. Durch regelmäßige Messungen können Veränderungen über längere Zeiträume beobachtet werden. Temperaturentwicklungen werden dokumentiert und miteinander verglichen. Dadurch lässt sich erkennen, ob sich bestimmte Bereiche einer Anlage verändern oder ob einzelne Komponenten dauerhaft erhöhten Belastungen ausgesetzt sind. Die gewonnenen Informationen bilden eine wichtige Grundlage für Wartungsentscheidungen und helfen dabei, Instandhaltungsmaßnahmen gezielt zu planen.
Welche Vorteile bietet die Elektrothermografie?
Die Methode bietet eine Reihe von Vorteilen für Betreiber von Maschinen und Anlagen. Ein wichtiger Vorteil ist die frühzeitige Erkennung von Schwachstellen. Fehler können oft entdeckt werden, lange bevor sie zu sichtbaren Problemen führen. Darüber hinaus lassen sich viele Messungen während des laufenden Betriebs durchführen. Produktionsunterbrechungen sind häufig nicht erforderlich. Weitere Vorteile sind:
- höhere Betriebssicherheit
- geringere Ausfallzeiten
- bessere Planbarkeit von Wartungen
- frühzeitige Erkennung von Verschleiß
- Vermeidung von Folgeschäden
- transparente Dokumentation der Messergebnisse
- längere Lebensdauer von Komponenten
Besonders in Produktionsbetrieben können bereits kurze Stillstände erhebliche Kosten verursachen. Jede vermiedene Störung trägt daher direkt zur Wirtschaftlichkeit einer Anlage bei.
Die Rolle von atb bei thermografischen Untersuchungen
Als Partner für Automatisierungs- und Steuerungstechnik unterstützt atb Unternehmen bei der Analyse, Bewertung und Optimierung ihrer elektrischen Anlagen. Im Rahmen thermografischer Untersuchungen werden relevante Anlagenteile systematisch geprüft und dokumentiert. Auffällige Temperaturbereiche werden bewertet und hinsichtlich möglicher Risiken eingeordnet. Die Messergebnisse werden anschließend verständlich aufbereitet. Kunden erhalten eine übersichtliche Dokumentation mit konkreten Handlungsempfehlungen. Durch die langjährige Erfahrung im Schaltschrankbau, in der Automatisierungstechnik und im Anlagenservice kennt ATB die typischen Schwachstellen industrieller Anlagen und kann Auffälligkeiten gezielt bewerten.
Mehr als nur eine Momentaufnahme
Eine einzelne thermografische Untersuchung liefert bereits wertvolle Informationen über den Zustand einer Anlage. Besonders aussagekräftig wird die Methode jedoch, wenn Messungen regelmäßig durchgeführt werden. Durch den Vergleich mehrerer Untersuchungen lassen sich Veränderungen frühzeitig erkennen. Selbst kleine Temperaturanstiege können erste Hinweise auf beginnende Probleme liefern. Dadurch entsteht über die Zeit ein umfassendes Bild über den technischen Zustand der Anlage. Unternehmen gewinnen zusätzliche Sicherheit bei der Planung von Wartungsarbeiten und können Investitionen gezielter steuern.
Fazit
Viele Probleme in elektrischen Anlagen entstehen schleichend und bleiben lange unbemerkt. Erst wenn eine Störung auftritt oder ein Bauteil ausfällt, werden die Ursachen sichtbar. Zu diesem Zeitpunkt sind häufig bereits Kosten entstanden und Produktionsabläufe beeinträchtigt. Die Elektrothermografie ermöglicht einen Blick auf genau diese verborgenen Entwicklungen. Temperaturauffälligkeiten werden sichtbar, bevor daraus größere Schäden entstehen. Schwachstellen können frühzeitig erkannt und gezielt behoben werden. Für Unternehmen bedeutet das mehr Betriebssicherheit, weniger ungeplante Stillstände und eine bessere Planbarkeit von Wartungsmaßnahmen. atb unterstützt Kunden dabei, potenzielle Risiken rechtzeitig zu erkennen und die Verfügbarkeit ihrer Anlagen langfristig zu sichern. Regelmäßige thermografische Untersuchungen leisten dabei einen wichtigen Beitrag zu einer wirtschaftlichen und zuverlässigen Produktion.

